Stefan Heiligtag

Angie Thomas – The Hate U Give

Erschreckend realistisch, hochaktuell und emotional berührend!

Klappentext

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

 Meine Meinung

Angie Thomas beschreibt in ihrem Debut-Roman anschaulich die tagtägliche Polizeigewalt gegenüber Schwarzen. Sie tut es aus der Perspektive der sechzehnjährigen Starr, die neben ihrem besten Freund im Auto sitzt, als sie in eine Polizeikontrolle kommen. Starr muss mitansehen, wie ihr Freund erschossen wird, obwohl dieser weder Drogen noch eine Waffe dabei hatte und den Polizisten nicht bedrohte. Es ist ein Jugendroman, aber auch ein Buch Rassismus, denn Starr und ihr Freund sind Schwarze, und sie leben in einem Stadtviertel, das von Bandenchefs beherrscht wird.

Starr führt ein kompliziertes Leben, denn sie lebt in zwei Welten, und Stück für Stück erfahren wir ein wenig mehr, wieso sie das Gefühl hat, nirgendwo wirklich so sein zu können, wie sie ist. Die Familie ist für Star enorm wichtig: auch der Vater, der für einen Clanchef ins Gefängnis ging und sich dadurch davon freikaufte, für ihn dealen zu müssen. Im Kreis ihrer Familie erlebt Starr viel Zuspruch und Liebe, was auch für ihren Stiefbruder gilt, dessen Mutter die Frau eines Clanchefs ist. Die zweite Welt, in der Star lebt, ist die der Weißen, denn sie geht auf eine weiße Schule, und sie einen hat einen weißen Freund, vor dem sie viele Dinge geheim hält, weil sie meint, er würde sie nicht verstehen. Denn die Normen im schwarzen und weißen Umfeld widersprechen einander teilweise. Starr hat immer das Gefühl, einen Teil ihrer Persönlichkeit verstecken zu müssen.

Durch den Tod ihres Freundes wird das Leben für Starr noch schwieriger, denn sie ist die einzige Person, die weiß, wie ihr Freund getötet wurde. Sie kann bezeugen, dass es keinen Grund gab, warum der Polizist ihren Freund erschossen hat, doch der stellt die Situation so dar, als habe er in Notwehr gehandelt. Starr könnte ihre Stimme erheben, um dafür zu sorgen, dass der Fall vor eine Jury kommt, aber das könnte sie selbst Repressionen aussetzen. Nicht nur durch die Polizei – auch einer der Clanchefs will nicht, dass Starr aussagt, weil er dadurch selbst in Schwierigkeiten geraten könnte. Und selbst wenn sie aussagt, ist es nicht sicher, ob der Polizist angeklagt wird, weil das in der Stadt noch nie vorgekommen ist.

Starr steckt in einem Dilemma, und Angie Thomas gelingt es auf eindringliche, einfühlsame Weise, uns in die schwierige Situation ihrer jungen Protagonistin hineinzuführen und uns ihre Ängste und ihre Verzweiflung nahezubringen. Während Starr mit sich ringt, ob sie aussagen soll, durchläuft sie einen Wachstumsprozess, in dem sie lernt, ihre beiden Welten miteinander zu verbinden. Ganz entscheidend für dieses Wachstum ist die Auseinandersetzung mit ihrer Familie und mit ihrem weißen Freund. Alle Figuren des Romans kamen mir realistisch vor; nicht nur, weil sie alle ihre Stärken und Schwächen haben, sondern, weil ihre Verhaltensweisen für mich immer nachvollziehbar waren.

Das zentrale Thema des Buches ist der Alltagsrassismus, der in den USA jeden Tag millionenfach vorkommt. Das macht nicht zuletzt der Titel deutlich, der Textzeile eines Liedes, das im Roman mehrmals thematisiert wird. Durch die Handlung werden viele strukturelle Probleme deutlich, die zumindest in Ansätzen verständlich machen, warum manche Jugendliche Drogen verkaufen. Als Leser erhalten wir Einblicke in eine Welt voller Gewalt. Wir lernen eine Welt kennen, in der tausende schwarzer Jugendlicher aufwachsen müssen.

Fazit

„The Hat U Give“ ist ein aufwühlender Roman, der authentisch und einfühlsam aus der Sicht einer Jugendlichen erzählt, wie sich der alltägliche Rassismus gegen Schwarze in den USA anfühlt. Es ist ein wunderbares Buch, das Jugendlichen ebenso gut gefallen dürfte wie Erwachsenen.

                                                      6 von 7

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