Klappentext
Ein Fluch, der das Land Eclaria einst in Wüste und Gebirge verwandelte, entfachte einen Krieg zwischen den Jägern und den Drachenreitern. Einer uralten Prophezeiung zufolge kann nur die Heirat zwischen einer Jägerin und dem König der Drachenreiter Frieden bringen.
Geschwächt von einem Sandsturm fällt Jadina in die Hände eines Trupps Drachenreiter. Ihr Anführer Kayden hat den Auftrag herauszufinden, ob sie jene Jägerin aus der Prophezeiung ist. Dafür muss sich Jadina gemeinsam mit anderen Anwärterinnen tödlichen Prüfungen stellen. Mutig nimmt sie die Herausforderung an und kämpft nicht nur für ihr Leben, sondern auch für ihr Volk. Doch dann macht ihr Herz alle Pläne zunichte, denn es schlägt für Kayden und nicht für den König, wie es eigentlich sollte …
Meine Meinung
Wings + Claws ist der erste Band der Reihe „A Throne of Roses and Thorns“. Es ist einer von vielen High-Romantasy-Romanen mit Drachenreitern, den ich mit einem seltenen Vergnügen gelesen habe. Das liegt vor allem an der kämpferischen Protagonistin und Ich-Erzählerin Janida, mit der ich mich stets identifizieren konnte.
Dass sie eine Kämpferin ist, ist kein Wunder. Schließlich lebt sie seit dem Tod ihrer Eltern vor 13 Jahren allein in der Wüste, wo ihr Überleben täglich bedroht ist. So auch zu Beginn des Buches, als Jadina unter dem Kadaver eines Fogghouls, einer riesigen wolfsähnlichen Kreatur mit Unterarm langen Zähnen, Schutz vor einem Sandsturm sucht. Die Autorin beschreibt ihre Lage wie folgt:
Heute war ein guter Tag zum Sterben. Ebenso gut wie gestern oder morgen – falls es ein Morgen geben sollte. Nur ein Versprechen hielt mich in solchen Situationen davon ab, mich an die Große Mutter zu wenden, den Überlebenskampf aufzugeben und ins Totenreich überzugehen, um dort meine Eltern wiederzusehen. ›Dieses verdammte Versprechen!‹, dachte ich verzweifelt.
›Ich, Janina, verspreche, dass ich, was auch passieren mag, die Hoffnung nie aufgeben werde, und am Leben bleibe, um meinen Platz in deiner Geschichte einzunehmen‹, schossen mir jene Worte durch den Kopf, an die ich mich bis heute gebunden fühlte.
Welchen Platz ich in dieser tödlichen Welt haben sollte, für den es sich lohnte, in Einsamkeit ums nackte Überleben zu kämpfen, wusste ich bis heute nicht.
Gefangen in der Erinnerung strich ich bebend mit meinem Finger über die Haut, die schon so lange keinen Kuss mehr von meinen Eltern auf sich trug. Ein Schauern ergriff mich. Seufzend schlang ich die Arme noch fester um meinen Körper und versuchte, die schmerzlichen Erinnerungen abzuschütteln.
Schon in diesem kurzen Abschnitt schafft es Karen A. Moon, uns Jadinas Einsamkeit,Trauer und Sehnsucht, aber auch ihren Kampfeswillen ohne große Erklärungen vor Augen zu führen. Ihr Stil hat mich durchgängig überzeugt.
Über die Handlung will ich nicht mehr sagen, als im Klappentext steht. Es ist durchgehend spannend, mitzuerleben, wie sich die Außenseiterin im Land der Drachenreiter durchschlägt. Nur zum Schluss gab es ein paar kleinere Unstimmigkeiten, die ich jedoch nicht überbewerten will. Wenn ihr das Buch lest, könnt ihr euch auf einige Überraschungen gefasst machen.
Da das Enemies to Lovers-Trope von Amazon unter dem Klappentext genannt wird, kann ich an dieser Stelle ohne zu Spoilern sagen, dass die Annäherung der beiden Hauptcharaktere für mich ebenso gelungen ist, wie die Schilderung der Beziehungen zu den vielen interessanten Nebencharakteren.
Zum Abschluss der Rezension schildere ich die erste Begegnung zwischen Jadina und Kayden. Sie wird im zweiten Kapitel beschrieben, nachdem Jadina ohnmächtig geworden ist. Die Drachenreiter finden sie und wecken sie auf, indem sie ihr einen Eimer Wasser ins Gesicht schütten. Kurz darauf kommt Kayden zu ihr, was sie so erlebt:
Ein Mann, nicht viel älter als ich es war, kam in mein Gesichtsfeld. Ein Drachenreiter!
Seine karamellbraunen Augen betrachteten mich kritisch, während ihm wilde Locken in die Stirn fielen. Ihr Schwarz stand in starkem Kontrast zu seiner hellen Haut. Einer Hautfarbe, die keiner meines Volkes besaß. Wir waren täglich der Wüstensonne ausgesetzt, was uns einen goldenen Teint verlieh.
Ein amüsiertes Glitzern blitzte in seinen Iriden auf. Bemerkte er, dass ich ihn nicht weniger neugierig musterte als er mich?
Obwohl ich direkt wusste, dass ich dem Feind in die Augen sah, fürchtete ich mich nicht vor ihm. Nein, er faszinierte mich. Noch nie war ich einem anderen Mann als meinem Vater begegnet. Es war nicht nur sein makelloses Gesicht, das mich gefangen hielt, sondern vor allem sein Blick, mit dem er mich ansah, als würden wir uns bereits kennen.
»Ja, du hast recht! Die Wüstenratte ist wach«, rief er seiner Begleiterin in diesem Moment zu.
Wüstenratte?
Wut peitschte durch meine Adern und mit einer Kraft, von der ich nicht wusste, dass ich sie trotz meiner Erschöpfung in mir trug, schlug ich ihm meine Faust ins Gesicht.
Schmerz schoss in meine Hand und Entsetzen regte sich in mir.
Was tue ich hier? Das war wirklich dumm gewesen.
…
Der Fremde riss überrascht die Augen auf und rieb sich am Kinn über die Stelle, an der ich ihn getroffen hatte. … Er schien noch einen Moment über meinen Fausthieb nachzudenken, bis sich sein Mund zu einem schiefen Grinsen verzog.
»Wohl eher eine Wildkatze, Nayda!«
Meine Eltern hatten mich immer einen Wildfang genannt. Schmerz drang mir bei der Ähnlichkeit zu dem früheren Kosenamen in mein Mark.
Fazit
Mit Wings + Claws ist Karen A. Moon ein wunderbarer Auftakt in ihre „A Throne of Roses and Thorns“-Reihe gelungen. Die Protagonistin, die Handlung, der Stil und die Charakterentwicklungen haben mir gut gefallen. Eine klare Leseempfehlung.


