Maria M. Lacroix: Secrets – Das Geheimnis der Feentöchter

Wendungsreicher Fantasyroman mit einer cleveren Heldin und einem düsteren Dämonenfürsten, die zusammenarbeiten müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Klappentext

Als Nessyas Freundin von einem grausamen Feenprinz in sein Reich entführt wird, kann ihr nur der Heeresführer der Seelenfresser helfen. Doch sein Preis ist hoch. Als Magielose war Nessya im Síd – den Feenhügeln – eine Schande für ihre Mutter und floh deshalb in die Welt der Menschen, nach Dublin. Um Emma zu retten, muss sie Jahre später dorthin zurückkehren, wo ihre Flucht einst begann, und sich auf einen Pakt mit dem gefährlichsten aller Fay einlassen … Band 1 der magischen Geschichte um die Welt unter dem Feenhügel.

 Meine Meinung

Der Sid ist eine düstere magische Welt, in der die Seelie über die Unseelie herrschen, denen sie die Magie genommen haben. Außerdem gibt es das wilde, von  Cathal angeführte Heer der Sluaghs. Im ersten Kapitel erleben wir, wie dieser mit Genuss eine Erdenfrau verführt und sich danach ihre Seele einverleibt. 

Nessya war im Sid eine Prinzessin bis sich herausstellte, dass sie keine Magie besaß und ihre Mutter sie deshalb umbringen wollte. Deshalb floh sie als 16jährige durch ein Portal in die Welt der Menschen.

Cathals und Nessyas Wege kreuzen sich, als die 26-jährige Nessya sich eine Auszeit von ihrem Job in einem Café gönnt. Sie  verspürt Sehnsucht nach ihrer alten Heimat und fährt auf die Insel, wo sich das Portal zum Sid befindet. Dort findet sie eine tote Frau. Da sie die Fähigkeit hat, Magie zu spüren, weiß sie, dass diese einem magischen Wesen zum Opfer gefallen ist. Geschockt geht sie im nächsten Ort in einen Pub, meldet ihren schrecklichen Fund und beginnt, sich zu betrinken.

Danach überschlagen sich die Ereignisse, denn nach ihr betritt ein Fay den Raum, der sich durch einen Blendzauber als Mensch getarnt hat und in dieser Gestalt wie ein männliches Model aussieht.

Lächelnd kam der Fay auf sie zu. Mit rasendem Herzen drehte sie sich um und versuchte die Aufmerksamkeit der Kellnerin zu erregen, doch sie war weiter hinten mit einer Gruppe von Gästen beschäftigt.

»Hi«, sagte er freundlich, zog den Stuhl zurück und setzte sich ihr gegenüber. »Du bist also diejenige, die den Fund am Strand gemacht hat?« Eine Reihe strahlend weißer Zähne blitzte bei seinem charmanten Lächeln auf. … Der Anblick jagte eiskalte Schauer über ihren Rücken.

Rasch sah sie nach unten, betrachtete die Maserung der Tischplatte und überlegte fieberhaft, wie sie aus der Situation herauskommen sollte.

»Ja. Schrecklich, oder?«, flüsterte sie, sah auf und wiederholte nachdrücklich. »Oder?«

Fay können nicht lügen. … Jetzt war sie gespannt, wie er darauf reagieren würde.

Sein Lächeln weitete sich. »Hin und wieder vergesse ich, dass ein solcher Anblick für viele schockierend sein muss. Ich habe in meinem Leben schon so viele zu Gesicht bekommen, dass ich ein wenig abgehärtet bin, fürchte ich.«

»Bist du von der Garde?« Da es das sowohl bei den Menschen als auch bei den Fay gab, konnte sie die Frage stellen, ohne Misstrauen zu erregen. … Falls er nicht von ihrer Mutter geschickt worden war, sondern er sich um den Regelverstoß eines Unseelie kümmerte, wäre das die beste mögliche Lösung.

…

Er beugte sich vor und sah ihr tief in die Augen. »Ist dir am Strand denn irgendetwas Auffälliges aufgefallen?«, fragte er ausweichend.

»Du meinst, abgesehen davon, dass da eine tote Frau lag?«

»Ja, abgesehen davon«, erwiderte er ernst, als hätte er den Sarkasmus in ihrer Frage überhört. Hatte er vermutlich auch. Fay waren für viele Dinge bekannt. Humor gehörte nicht dazu.

Sie zuckte die Schultern. »Was zum Beispiel, Herr … Inspektor?«

Lächelnd schüttelte er den Kopf. »Ich bin kein Inspektor.«

»Hauptmann?«

»Das kommt der Sache schon näher.« Was für eine Stimme. Sanft, herb und dunkel. Über ihren Rücken zog eine Gänsehaut. Typisch Seelie. Verdammt.

Konzentrier dich, Nessya, ermahnte sie sich. …

»Ich muss zugeben, dass ich mich nicht sehr lange dort aufgehalten habe«, erklärte sie. »Nachdem ich festgestellt habe, dass ich ihr nicht helfen kann, bin ich gleich hergekommen, um jemandem Bescheid zu geben.«

»Verstehe«, erwiderte er nachdenklich und sah ihr durchdringend in die Augen, als ahnte er, dass sie mehr wusste, als sie zugab. Aber das konnte nicht sein.

…

»Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest. Ich fühle mich etwas unwohl.« Sie stand auf. »Ich denke, ich sollte in meine Herberge zurückgehen und mich ausruhen.«

Er erhob sich ebenfalls. »Ich werde dich begleiten.« Er klang, als würde er keinen Widerspruch dulden.

»Das ist wirklich nicht nötig«, erwiderte sie schnell und setzte sich wieder.

»Aber ich bestehe darauf. Was hältst du davon, wenn ich dich auf einen weiteren Drink einlade und dich dann sicher in deine Unterkunft begleite?«

Sein Blick fing den ihren ein. Ihre Hand, die um ihr Glas lag, erschlaffte und lag nutzlos auf dem Tisch. Er schwächte sie, drang irgendwie in ihren Verstand. Sie versuchte wegzusehen, doch sie schaffte es nicht, und je länger er sie anstarrte, desto stärker wurde sie in die Unendlichkeit seiner Augen gezerrt.

Nassya ist eine Halbelfe und hält nicht viel von ihren Fähigkeiten, aber sie kann weitaus mehr als sie ahnt. Zum Beispiel, sich dem Willen dieses „Mannes“ entziehen, as jedoch zur Konsequenz hat, dass sie ihn durchschaut.

Entsprechend spannend geht es weiter, was sich durch den ganzen Roman zieht. DieHandlung hat einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe und über die ich an dieser Stelle natürlich schweigen werde. Außerdem entpuppen sich Nessya und Cathal als überraschend vielgestaltige Charaktere, um die herum sich die Geschichte wunderbar zusammenfügt.

Ein wenig genervt haben mich nur die immer wiederkehrenden Schuldvorwürfe, die sich Nessya angesichts des Schicksals macht, das ihre Freundin Emma erleidet. Hier wäre eine geringere Dosis aus meiner Sicht besser gewesen. Auch der Stil hat mir insgesamt gut gefallen, sodass ich eine klare Leseempfehlung abgebe und mich auf den zweiten Band freue.

Fazit

Dieser Fantasyroman lebt davon, wie der furchtbare, brutale Dämonenfürst Cathal und die scheinbar schwache Nessya immer mehr zueinanderfinden, weil sie ihre Ziele allein nicht erreichen können. Das führt zu einem spannenden, wendungsreichen Plot, der viele Überraschungen bereithält.

                              6 von 7 Punkten.

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