Klappentext
Er muss einen Mörder retten oder er verliert seine Tochter …
Vor über einem Jahr hat der Strafverteidiger Eddie Flynn vor Gericht einen folgenschweren Fehler begangen – und sich danach geschworen, niemals mehr einen Fall zu übernehmen. Doch nun muss er Olek Volchek, den berüchtigten Paten der New Yorker Russenmafia, gegen eine Mordanklage verteidigen. Volchek droht, Eddies Tochter Amy umzubringen, falls er sich weigert. Und so bleiben ihm nur 48 Stunden Zeit, um das Unmögliche zu schaffen: die Geschworenen von der Unschuld seines schuldigen Mandanten zu überzeugen, das Leben seiner Tochter zu retten – und Volchek für immer aus dem Verkehr zu ziehen …
Meine Meinung
So wenig ich Krimireihen mit einem Kommissar oder einer Kommissarin als Hauptfigur mag, so sehr mag ich Thriller, in denen die Hauptfigur einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt ist. Der erste Band der Reihe um den gewieften Anwalt Eddie Flynn von Steve Cavanagh ist ein perfektes Beispiel für Hochspannung ab der ersten Seite 1. Das Buch beginnt mit folgenden Worten:
»Tun Sie genau, was ich sage, oder ich jage Ihnen eine Kugel in den Rücken.«
Ein Mann, europäischer Akzent. Ich entdeckte keine Spur von Nervosität, der Ton ruhig und gemessen. Keine Drohung, eher eine Feststellung: Kooperierte ich nicht, würde er mich erschießen.
Kontrollierter Augenkontakt. Keine hektischen Flecken im Gesicht oder am Hals, keine unwillkürlichen Bewegungen. Dem Mann war keine Emotion anzumerken. Ich erkannte einen Gauner, wenn ich einen sah. Der Blick verriet ihn. Ich hatte ihn lange genug selbst draufgehabt. Aber der Kerl hier war kein Gauner. Er war ein Killer. Doch er war nicht der Erste, der mich bedrohte, und ich wusste, dass ich das letzte Mal davongekommen war, weil ich mein Hirn eingeschaltet hatte, statt in Panik zu geraten.
Im Folgenden erfahren wir, dass Eddie ein Leben als Gauner führte, bevor er mit seinem Anwaltskollegen Jack Halloran eine Kanzlei gründete. Sie vertraten vor allem die „Bösen“, bis ein Fall Eddie aus der Bahn warf, dass er zum Trinker wurde. Zu Beginn der Handlung hat er gerade einen Alkoholentzug hinter sich.
Diese Hintergrundinformationen fügt der Autor so geschickt in Handlung ein, dass es nicht auffällt.
Arturas, der Mann, der Eddie bedroht, ist die rechte Hand des russischen Mafiabosses Oleg Volchek. Er zwingt Eddie, eine Jacke anzuziehen, in die eine Bombe eingenäht ist. Dann bringt er Eddie zu seinem Boss, der ihn ultimativ auffordert, ihn in einer Mordanklage gegen ihn zu vertreten. Eddie weigert sich, woraufhin Volchek ihn auffordert, einen Blick in die Tasche zu werfen, die er mitgebracht hat.
Arturas hob die weiße Sporttasche auf und öffnete sie.
Jacks Kopf lag in ihr.
Mein Magen zog sich zusammen. Mein Mund füllte sich mit Speichel. Ich würgte, bedeckte den Mund mit der Hand und hustete. Ich spuckte und hatte Mühe, bei Sinnen zu bleiben, meine Finger krallten sich in das Leder des Sitzes. Jeder Anschein einer gelassenen Fassade ging völlig verloren.
»Wir dachten, Jack könnte es tun. Wir haben uns geirrt. Aber bei Ihnen gehen wir kein Risiko ein, Mr. Flynn.« Volchek beugte sich vor. »Wir haben Ihre Tochter.«
Am besten an diesem Thriller hat mir die gebrochene Hauptfigur gefallen, die jedoch aus ihren Fehlern gelernt und nun auf der guten Seite steht. Die Angst um seine Tochter und die Panik, wenn er kurz davor steht, zu scheitern. Ich habe ihm auf jeder Seite abgenommen, dass er Amy über alles liebt. Die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, um seine Tochter zu retten, sind mannigfaltig, da ihm nicht nur die Mafiosis, sondern auch Richter, Staatsanwälte und das FBI Schwierigkeiten bereiten. Eddie kann dem nur seine Cleverness und seine handwerklichen Fähigkeiten als Dieb entgegenstellen, was zu vielen spannenden Situationen führt.
Eines von vielen Beispielen ist Flynns Umgang mit einem Zeugen der Staatsanwaltschaft, ein Experte für für Grafologie und Handschriftenkunde, der Volcek stark belastet, weil der Mordauftrag in dessen Handschrift geschrieben ist. Vor allem das auffällig geschriebene G dient ihm als Beweis. Flynn bringt handschriftliche Beispiele von anderen Menschen mit und bringt den Experten dazu, zu bestätigen, dass die dort geschriebenen Gs denen von Volcek sehr ähnlich sind. Danach fährt er wie folgt fort:
»Und trifft es nicht zu, dass ein Grafologe sagen würde, ein Mensch, der dieses G geschrieben hat, besitzt sexuell abweichende Meinungen?« Ich hob beim zweiten Teil des Satzes die Stimme und ließ die Worte laut durch den Gerichtssaal dröhnen – eine großartige Methode, alle aufzuwecken. Handschriften sind langweilig. Sex ist interessant. Sexuelle Abweichungen sind verdammt interessant.
»Ja«, sagte er. »Wer immer die Gs geschrieben hat, dürfte zu sexuell abweichendem Verhalten neigen.«
Ich machte eine Pause. Ich wollte, dass der Verstand der Geschworenen arbeitete und diese Aussage anzweifelte.
»Sie haben die amtierende Staatsanwältin kennengelernt. Miriam Sullivan?«
Er war plötzlich nervös. »Ja, natürlich.«
»Hat Miriam Sullivan sexuell abweichende Neigungen?«
»Was? Natürlich nicht!«
»Euer Ehren …«, schrie Miriam.
»Ja, es ist gut, Miss Sullivan«, sagte die Richterin Pike. »Mr Flynn, bitte benehmen Sie sich.«
»Verzeihung, Euer Ehren, aber dürfte ich nur rasch fragen, ob Euer Ehren sich irgendwelchen sexuell abweichenden Praktiken hingeben?« Das war nun wirklich absolut empörend. Ich lief Gefahr, alle meine Pluspunkte bei den Geschworenen zu verlieren und im Zellentrakt unter dem Gerichtsgebäude zu enden.
Richterin Pike zog die Brille ans Ende ihrer ästhetisch korrigierten Nase und sah mich über den Rand hinweg an wie eine Serienmörderin ihre Beute über die Kühlrehaube eines heißen Chevy, ehe sie den kleinen Wurm über den Haufen fährt. »Ich gebe Ihnen zehn Sekunden, Mr. Flynn, dann finden Sie Ihren Arsch im Gefängnis wieder.« Den Geschworenen stand der Schock ins Gesicht geschrieben.
Ich spürte zwei leichte Vibrationen auf meinem Rücken. Ich erinnerte mich daran, was Arturas vorhin über den fernbedienten Auslöser gesagt hatte: zwei Knöpfe, einer, um die Sprengvorrichtung scharf zu machen, und einer, um sie zu zünden. Ich schätzte, die Bombe war jetzt scharf und bereit loszugehen.
Ich werde an dieser Stelle nicht verraten, wie Flynn das Blatt zu seinen Gunsten wendet. Wen es interessiert, kann es in Kapitel 14 des Romans nachlesen.
Ich kann nur sagen, dass der Plot rasant ist und mit vielen überraschenden Wendungen aufwartet. Auf den knapp 500 Seiten wurde es mir niemals langweilig. Ein hervorragender Thriller, der von mir die ganze Punktzahl erhält.
Fazit
Eine gewiefte Hauptfigur, der spannende Plot, überraschende Wendungen und das fulminante Finale – der erste Band der Thriller-Reihe um den Anwalt Eddie Flynn ist ein echter Reißer.


