Susanna Schober – Flammenkrone, Bd. 1

Die 17-jährige Lyriana ist eine von dreißig jugendlichen Auserwählten, die in einem tödlichen Labyrinth um ihr Leben kämpfen muss

Klappentext

Die Flammenkrone ist erwacht.
Und sie fordert ihren Tribut.

Als Lyrianas Name auf der Liste erscheint, gibt es kein Entkommen. Gemeinsam mit anderen Auserwählten wird sie zur Wächterstatue gebracht, dorthin, wo die Flammenkrone über Schicksale richtet.

Doch niemand sagt ihnen die ganze Wahrheit.

Denn unter der Statue verbirgt sich ein uraltes Labyrinth.
Ein Ort, erschaffen aus Magie, Prüfungen und tödlichen Illusionen.

Dort müssen die Auserwählten Aufgaben bestehen, die ihre tiefsten Ängste, ihre dunkelsten Geheimnisse und ihre verborgene Stärke offenlegen. Nur wer die Prüfungen überlebt, hat eine Chance, von der Krone erwählt zu werden.
Alle anderen … verschwinden.

Ohne Erinnerung. Ohne Spur.

Mit jedem Schritt tiefer ins Labyrinth beginnt Lyriana zu begreifen, dass die Prüfungen nicht nur über Leben und Tod entscheiden – sondern darüber, wer sie wirklich ist. Und warum ausgerechnet sie gerufen wurde.

An ihrer Seite: Verbündete, die zu Feinden werden könnten.
Und ein Junge, dessen Nähe ihr Herz schneller schlagen lässt – obwohl sie spürt, dass er etwas verbirgt, das sie beide zerstören könnte.

Denn im Labyrinth gilt nur eine Regel:

Vertraue niemandem.
Nicht einmal deinem eigenen Herzen.

Ein fesselnder Romantasy-Auftakt über Liebe, Verrat und die Frage, wie viel Dunkelheit in einem selbst steckt.

 

Meine Meinung

„Flammenkrone“ ist ein gut geschriebener Young Adult-Fantasyroman um die warmherzige Lyriana, die mit weiteren Jugendlichen von der  „Flammenkrone“ auserwählt wird. Wozu ist den Jugendlichen nicht klar, doch der kurze Prolog gibt uns ein paar Hinweise. Er spielt 302 Jahre vor der Romanhandlung und ist aus der Sicht der Hüterin Nyra Elessa geschrieben.

Ich erinnere mich an das Ende der alten Welt. Drei Königreiche, drei Kronen, getränkt in Blut. Die Erde bebte unter ihren Kriegen, und der Himmel schwieg, als würde selbst er den Atem anhalten. Wir sahen zu – zu lange, zu oft. Schließlich waren wir dennoch gezwungen, einzuschreiten.

Ich bin noch immer eine von ihnen, eine Stimme des alten Clans. Wir waren die Hüterinnen des Gleichgewichts, gebunden an die Ordnung der Magie. Doch an jenem Tag brachen wir unseren Eid. Wir nahmen das Feuer, das Blut und unseren Schwur und formten daraus ein Werkzeug, das stärker war als jedes Reich.

Die Flammenkrone.

Sie war unser Geschenk an die Menschheit – und unser größter Fehler. Denn ihr wohnt das Urteil inne. Eine Macht, die keiner zu kontrollieren vermag. Nur wer reinen Herzens bleibt, darf sie tragen. Wer gierig wird, wer grausam herrscht, wer das Feuer fürchtet – wird von ihr verschlungen.

Seit Jahrhunderten halte ich daher Wache. Ich spüre, wenn ihre Glut erwacht, wenn die Krone einen neuen Herrscher ruft. Die Menschen sind so unwissend. Sie ahnen nichts von uns, nichts von dem Schwur, der sie prüft, denn wir haben dafür gesorgt, dass ihre Erinnerungen an die Teilnehmer der Spiele im Nichts verschwimmen, sobald deren Namen auf der Steintafel erscheinen.

Jetzt flackert die Flamme wieder. Ein König liegt im Sterben, sein Herz verzehrt von der Gier, die wir einst bannen wollten. Die Steintafel glüht. Namen erscheinen, jung, ahnungslos, vorherbestimmt.

Ich spüre sie – all die Seelen, die nun geprüft werden. Ihre Furcht, ihren Trotz, ihre ungezähmten Leben.

Und unter ihnen – eine Präsenz, anders als die anderen.

Ein Licht, das nicht versengt, sondern heilt.

Ein Feuer, das nicht zerstört, sondern daran erinnert, was wir verloren haben.

Vielleicht ist sie es, die uns erlöst. Oder sie wird vollenden, was wir einst begannen.

Die Flamme wacht.

Und ich – ich warte.

 

Ausnahmsweise stelle ich in einer Rezension meine Kritik einmal an den Anfang. Der Klappentext (Ich weiß, dass dieser nicht Teil des Romans ist, aber er von nahezu allen Lesern gelesen) und der Prolog wecken hohe Erwartungen, Erwartungen, die das Buch so nicht einhält.

Wir können wohl davon ausgehen, dass es sich bei der ›Präsenz, die anders als die der anderen‹ ist, um die von Lyriana handelt. Im Buch  – zumindest in Band 1 – wird dies für mich jedoch nur durch die Tatsache deutlich, dass die 17-jährige die aus der Ich-Perspektive erzählende Hauptfigur ist. Andere Jugendliche wie Seren oder Finnor weisen ähnliche Qualitäten auf wie Lyriana und tun auch ähnlich viel für die Gruppe. Lyriana hebt sich bei Weitem nicht so deutlich von den anderen Jugendlichen ab, wie dies im Genre üblich ist. Der Hauptnachteil von Klappentext und Prolog besteht allerdings darin, dass sie große Teile des Plottwists am Schluss und einige Elemente der vorwegnehmen, was die Spannung etwas mindert.

Die positiven Seiten überwiegen die Nachteile jedoch bei weitem, weshalb ich das Buch uneingeschränkt empfehle. Die Prüfungen im Labyrinth sind nicht übermäßig brutal und somit gut an die Hauptzielgruppe (Young Adult) angepasst, wobei das Buch auch erwachsenen Fantasyfans gefallen dürfte.

Die Autorin entführt uns in eine mittelalterliche Welt, in der Magie nur in Legenden existiert sowie in Form der Flammenkrone, die sich jedoch so selten offenbart, dass sie von den meisten Menschen für ein Märchen gehalten wird. Die Welt wird liebevoll und überaus anschaulich beschrieben. Ich fand mich wunderbar in ihr zurecht.

Für die jungen Auserwählten geht es um Zusammenhalt, Freundschaft und den Umgang mit Verlust, denn Magie bewirkt, dass sich niemand aus ihrem alten Leben an sie erinnern wird. Entsprechend viel Zeit nimmt sich die Autorin, die Beziehungen zwischen der Hauptfigur Lyriana und ihren Schicksalsgefährten zu thematisieren. Da ist zum Beispiel der 10-jährige Eren, der in ihr die große Schwester (wenn nicht sogar eine Mutter) sieht. Da ist der provokante Kael, bei dessen Berührungen sie innerlich vibriert. Und da ist die vorlaute Mirra, die stets sagt, was sie denkt – um nur einige wichtige Figuren zu nennen.

Zu Beginn des zweiten Drittels gelangen die Auserwählten ins Labyrinth. Dies geschieht, nachdem die „Flammenkrone“ ihre Namen auf die Steintafel geschrieben hat. Lyriana nimmt den Übergang von der normalen Welt ins Labyrinth wie folgt wahr.

»Es beginnt«, murmelte jemand. Ich weiß nicht, wer. Aber als hätte die Welt auf dieses Stichwort gewartet, vibriert plötzlich der Boden unter unseren Füßen. Zuerst ist es nur ein leichtes Zittern, wie ein weit entferntes Donnern. Dann wird es stärker. Steine knirschen, feiner Staub schwirrt in der Luft. Mehrere Schreie ertönen. Die Steintafel vor uns glüht heller, die goldenen Linien pulsieren, als würden sie atmen. Ein tiefes, grollendes Geräusch dringt aus der Erde.

»Was passiert da?«, keucht Mirra.

Ich will antworten, aber da verändert sich etwas. Meine Haare stellen sich im Nacken auf. Die Flammenkrone über uns flackert wild, als hätte jemand Öl in ihr Feuer gegossen. Ein greller Lichtstoß bricht aus ihrem Zentrum hervor und jagt wie eine Welle über die Statur, die Steintafel – und dann über uns. Es ist, als würde mir jemand die Zeit entreißen. Mein Herzschlag wird gleichzeitig langsamer und schneller gedehnt und zerrissen. Ich sehe einzelne Staubkörner in der Luft schweben. Eine Träne, die Eren über die Wange läuft, scheint ewig zu brauchen, um zu fallen.

Dann reißt etwas an mir. Ein Ruck fährt durch mich hindurch. Der Boden verschwindet. Die Luft verpufft und für einen winzigen Augenblick bin ich überzeugt, dass ich vollständig aufgehört habe zu existieren. Kein Oben, kein Unten, kein Vor, kein Zurück, keine Gegenwart, keine Zukunft oder Vergangenheit. Da ist nur Licht und ein donnernder, fremder Puls, der nichts mit meinem eigenen zu tun hat.

Im Labyrinth müssen die Auserwählten Prüfungen bestehen, um zu überleben. Diese sind gut an die Hauptzielgruppe (Young Adult) angepasst, denn die zu überwindenden Hindernisse können zwar tödlich sein , doch die Handlung ist nicht brutal. Wir zittern mit Lyriana mit, ob sie und ihre Freunde es schaffen werden. Schön auch, dass sich mit jeder Prüfung auch die Beziehungen der jungen Auserwählten zueinander verändern, wobei moralische Fragen eine wichtige Rolle spielen.

Fazit

Junge Leser und Erwachsene, die das Motiv „Auserwählte“ in Fantasyromanen mögen, werden „Flammenkrone“ gerne lesen. Das Buch ist spannend, auch in den sich entwickelnden Beziehungen und man kann sich gut mit der sympathischen Heldin identifizieren.

                            5 von 7.

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