Klappentext
Der steigende Meeresspiegel der Nordsee. Eine junge Frau, die sieht, was niemand wissen darf. Vier tote Wissenschaftler auf einer einsamen Bohrinsel im Ozean. Und eine hochgeheime Akte.
Journalist Nick Schäfer dachte, das Schlimmste an diesem Herbst 2052 sei der rasant steigende Meeresspiegel der Nordsee und die Evakuierung seiner Mutter aus ihrem Heimatdorf. Doch dann kommt der Anruf seiner Exfreundin Emily. Sie ist in Todesangst. Hat sie wirklich Beweise dafür, wer hinter dieser verheerenden Umweltkatastrophe steckt? Ist deswegen jeder kritische Wissenschaftler auf ungeklärte Weise tödlich verunglückt? Und wie kann Nick Emily und sich vor ihren mächtigen Gegnern retten?
Meine Meinung
Thema und Hintergrund des Politthrillers von Uwe Laubs sind der Klimawandel und das korrupte Vorgehen der Betreiber einer Ölplattform, das von höchsten Regierungskreisen gedeckt wird. Als Vorbild diente dem Autor die Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Jahr 2010, die den Golf von Mexiko mit einem verheerenden Ölteppich überzog. Die Umweltkatastrophe im vorliegenden Roman ist ungleich größer, da sie spürbare Auswirkungen auf das weltweite Klima hat. Was Laub im Hinblick auf die Ölfirma und die amerikanische Regierung schreibt, halte ich unter einer Trump-Regierung durchaus für möglich; auch, dass um des Profits willen ein paar unliebsamer Wissenschaftler ermordet werden. Wohl eher unrealistisch ist jedoch die im Roman vorliegende Situation, dass die verheerenden Folgen des Verhaltens der Ölplattformbetreiber über mehrere Jahrzehnte unentdeckt blieben. Hier müssen erst die beiden Helden, Emily Fisher und Nick Schäfer, auf den Plan treten, um sie aufzudecken.
Aber geschenkt! – Uwe Laub hat einen packenden Thriller geschrieben, der uns darauf aufmerksam macht, dass der mit dem Klimawandel einhergehende Anstieg des Meeresspiegels uns tatsächlich schon zur Mitte des Jahrhunderts massive Probleme bereiten könnte.
Sowohl der Stil des Autors als auch die beiden Hauptfiguren haben mir gefallen. Emily und Nick kommen als Personen, in ihrer Lebenssituation und auch in ihrer Beziehung zueinander gut rüber. Letztere ist von Konflikten geprägt – ein schönes Nebenthema der Handlung.
Emily Fisher ist die rechte Hand von Leland Franklin, dem amerikanischen Botschafter in Deutschland. Zu ihrem Chef hat sie eigentlich ein gutes Verhältnis, aber dass er sie tagelang in dem uralten, kalten Archiv der Berliner Botschaft nach einem Dokument mit dem Aktenzeichen PM/CS/CWO MB – 25/11/2029 suchen lässt, geht ihr schwer gegen den Strich. Als sie einen Stapel Akten umwirft, findet sie die gesuchten Dokumente mit dem Top-Secret-Vermerk mehr durch Zufall, was Uwe Laub wie folgt beschreibt:
Emily stieß einen Freudenschrei aus. Die Aussicht, dieses Drecksloch in Kürze zu verlassen, verlieh ihr neuen Antrieb. Im Schneidersitz hockte sie sich auf den Boden und begann, die durcheinandergewirbelten Unterlagen zu sortieren und vorsichtig wieder abzuheften.
Sie betrachtete den Top-Secret-Vermerk und zögerte. Franklins ungewöhnliche Geheimniskrämerei hatte sie neugierig gemacht. Sie wollte, nein, sie musste einfach wissen, weshalb der alte Mann so viel Aufhebens um diese Akte machte. Obwohl sie für diese Klassifizierung keine Sicherheitsfreigabe besaß, begann sie zu lesen. Hier unten würde das niemand bemerken.
Zwei Stunden später ließ Emily das letzte Dokument mit versteinerter Miene achtlos zu Boden gleiten. Es fiel ihr schwer, ihre Gedanken zu ordnen. Auch wenn ihr viele Zusammenhänge noch unklar waren, wusste sie, dass diese Akte Sprengstoff barg. Und zwar Unmengen davon. Der Inhalt dieser Dokumente, so Emily sie richtig einschätzte, konnte einige der mächtigsten Männer der Welt stürzen. Und noch mehr. …
Die Frage, weshalb Franklin diese Unterlagen benötigte, quälte sie mehr denn je. Doch eines wusste sie nun mit Sicherheit. Von dem alten Mann selbst würde sie es nicht erfahren. Niemals würde Emily ihren Mentor darauf ansprechen. Es war undenkbar, ihm zu gestehen, all dies gelesen zu haben. Zumal sie damit gegen ihre Sicherheitsfreigabe verstoßen hatte. Doch es gab einen weiteren Grund, weshalb sie Leland Franklin unmöglich auf den Inhalt dieser Akte ansprechen konnte. Denn darin wurde mehrfach sein Name erwähnt – im Zusammenhang mit kaltblütigem, vierfachen Mord!
Da Emily über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt, will sie die Akten unbedingt veröffentlichen und wendet sich an ihren ehemaligen Freund, Nick Schäfer, einen Journalisten, der für ein Umweltmagazin schreibt. Auch diese Figur ist gut gewählt, weil sie über das nötige Fachwissen verfügt, um die Puzzleteile, auf die sie stoßen, stückweise einordnen zu können.
Über die nachfolgende Handlung will ich nur sagen, dass sie spannend und reich an Action ist, was vor allem auf Emilys Hauptgegenspieler zurückzuführen ist. Donovan ist der Anführer einer amerikanischen Spezialeinheit, deren Existenz nur in allerhöchsten militärischen und politischen Kreisen bekannt ist. Er ist ein exzellenter Kämpfer, aber auch sadistisch und skrupellos.
Frisch aus den USA angereist, kanzelt er den Sicherheitschef der Botschaft dafür ab, dass er Emily mit der Akte entkommen ließ.
Viel zu jung, war Donovans erster Gedanke, als der schlaksige Sicherheitschef der Botschaft Leland Franklins Büro betrat. Während Collins in den folgenden Minuten einen Lagebericht abgab, musterte Donovan missmutig dessen Taser, der an Collins Gürtel hing. Donovan hielt nichts von derartigen Spielereien. Er bevorzugte echte Waffen.
Als Collins endete, räusperte sich Donovan. »Mr. Collins, Sie sahen dabei zu, wie eine Angestellte einer US-Amerikanischen Botschaft geheimes Aktenmaterial stahl. Damit machte sich Emily Fisher mindestens des Vertrauensbruchs im Auswärtigen Dienst schuldig. Weshalb haben Sie nicht, unter Beachtung der Vorschriften, entsprechend reagiert?«
»Ich hatte meine Instruktionen. Mein Auftrag lautete lediglich, observieren und berichten.«
Donovan entging nicht, dass Collins linkes Augenlid zuckte. Der Kerl hatte Mist gebaut und wusste es.
»Sie haben sich also an Ihren Auftrag gehalten. Das kann ich vielleicht noch akzeptieren. Aber …« Donovan erhob sich und baute sich vor Collins auf, der ihn um mindestens einen Kopf überragte, in diesem Moment aber aussah, als würde er sich am liebsten unter dem Tisch verkriechen. »Spätestens als Miss Fisher mit dem USB-Stick in ihrer Handtasche die Botschaft verließ, hätten Sie diese Frau aufhalten müssen.«
»Nun, es ist ja nicht so, dass ich untätig geblieben bin.« Hilfesuchend blickte Collins in Richtung Franklin.
»Schon gut«, schaltete sich dieser jetzt ein. »Sie brauchen mich nicht zu decken, Mr Collins. Ich übernehme die Verantwortung. Meine Anweisung an Mr Collins lautete ausdrücklich, unter keinen Umständen einzuschreiten.«. …
»Gottverdammte Dilettanten!« Donovan presste seine Kiefer aufeinander und trat an Franklins Schreibtisch. »Sie sind ein Idiot, Franklin, hat Ihnen das schon einmal jemand gesagt?«
Thriller-Fans werden den Roman von Uwe Laub gerne lesen, weil er neben den markanten Hauptfiguren eine Menge Überraschungen bereithält. Schade fand ich, dass wir zum Schluss nicht mal eine Andeutung bekommen, wie Emily und Nick ihre Konflikte klären.
Meine größte Kritik bezieht sich jedoch auf das Setting, aus dem heraus Emily die Top Secret-Akte veröffentlichen will. Hier gibt es meiner Ansicht nach einen krassen Logikbruch, den ich jedoch nicht offenlege, um niemandem die Spannung zu nehmen.
Trotzdem erhält das Buch von mir eine klare Leseempfehlung.
Fazit
Uwe Laub hat einen spannenden Politthriller geschrieben, der mit sympathischen, glaubwürdigen Hauptfiguren und vielen überraschenden Wendungen aufwartet und ein wichtigen Thema behandelt.

