Klappentext
Wave hatte sich immer für eine exzellente Fahrerin gehalten – bis zu ihrem Unfall mit dem Schreibtisch. Jetzt ist ihr Schweber Schrott, ihr Trommelfell geplatzt und statt es zu flicken, verpasst die Versicherung ihr ein Hörgerät. Als sich in das jemand einhackt und mit der Stimme des mysteriösen Radiomoderators Aki zu ihr spricht, ist sie geschockt. Denn der hat am Tag zuvor Selbstmord begangen. Schon bald erkennt Wave, dass mehr hinter Akis Tod steckt und sie eine gemeinsame Vergangenheit verbindet. Eine Vergangenheit, die sie eigentlich vergessen wollte. Doch jetzt steckt sie schon zu tief drin und muss der Sache einfach auf den Grund gehen – auch wenn sie sich dabei mit mächtigen Gegnern anlegt.
Tauche in dieser Cyberpunk-Krimi-Romanze gemeinsam mit Wave in eine Stadt der Zukunft ein, begegne Robotern mit Gefühlen, trotze harten Cops und fiesen Hackern und decke die Geheimnisse um Akis Tod und Waves Vergangenheit auf.
Meine Meinung
Teil 1 der Zitadellenstadt-Trilogie ist ein Cyberpunk-Science Fiction, aber eine Romanze wie im Klappentext bei Amazon behauptet? – Nein. Ein Krimi? – Schon eher. Der Roman spielt in einer hochtechnisierten Welt, in der Konzerne das Sagen haben und große Teile der Bevölkerung ein eher tristes Dasein führen. Interessanterweise leben Monster außerhalb der Stadt, und es gibt Menschen und Außerirdische mit unheimlichen Fähigkeiten.
Letzteres hat auf geheimnisvolle Weise etwas mit mit Wave zu tun, der Hauptfigur des Romans. In den ersten zwölf Jahren wuchs sie bei ihren Stiefeltern draußen im Dschungel auf. Erst als diese sich von strahlenden Helden zu Schurken wandelten und tausende von Menschen töteten, zog Wave in die Zitadellenstadt. Dort führt die heute 17-jährige ein Leben als Außenseiterin. Immerhin hat sie mit Hammer und Ember zwei gute Freunde, mit denen sie ihre Leidenschaft teilt: in einer künstlichen Arena Kämpfe und Abenteuer zu erleben. Auch in ihrem wirklichen Leben wird sie dazu bald mehr Gelegenheit erhalten, als ihr lieb ist.
Mir fiel es sehr leicht, mich in diese Cyberwelt einzufühlen, weil es der Autor Jan Koch gut versteht, die fortgeschrittene Technik wie nebenbei in die Handlung einzubauen. Das tut er schon in Kapitel 1, das wie folgt beginnt:
Wave hatte sich immer für eine exzellente Fahrerin gehalten. Bis zu ihrer Kollision mit dem Schreibtisch.
Sie blinzelte, da war er einfach da. Der Schwebeantrieb bäumte sich gegen das Gewicht des Möbels auf, verlor den Kampf und gemeinsam küssten Holz und Metall mit einem Knall den Asphalt. Die Kollisions-Notfall-Routine – kurz KNR – zerlegte Steuerknüppel und Displays in ihre Atome. Den freigewordenen Platz nahm rosafarbener Rettungsschaumstoff ein. Im richtigen Moment fing er ihren Kopf auf, der Rettungsgurt riss sie zurück in ihren Sitz und nur ein dezenter Geruch von Erdbeere – ihr Lieblingsgeschmack – erinnerte noch an den Aufprall.
Funkensprühend kam der Schweber zum Stillstand. Die KNR schaltete den Motor ab und mit einem Ruck stellte die Schwerkraft auch für das Heck natürliche Bedingungen her. Nach einer Überprüfung der Fahrerseite löste die KNR den Gurt, sprengte die Fahrertür auf und Wave taumelte durch den Nebel der Sprengkapseln nach draußen.
Den Mittelstreifen zierte eine Reihe schulterhoher Betonpfosten, an denen sie keuchend Halt fand. Ihr Herzschlag pochte stechend in ihren Ohren. Jeder Schweber, der hupend an ihr vorbeizog oder rücksichtslos über sie hinweg sauste, ließ sie schmerzhaft zusammenzucken. Dan ebbte der Lärm ab, Stille hüllte sie ein und ihr wurde schwindelig.
»Biowerte«, hauchte sie und ein Querschnitt ihres Körpers erschien vor ihren Augen. Direkt vom Biochip auf die Kontaktlinsen projiziert. Nach und nach färbten sich einzelne Körperteile grün. Das war gut. Keine gebrochene Nase, auch wenn sich ihr Gesicht so anfühlte, als könnte es jeden Moment in Flammen aufgehen. Auch keine Gehirnerschütterung. Es waren die Ohren, die sich schließlich rot färbten. Diagnose: Geplatztes Trommelfell.
Als Ergebnis dieses Unfalls bekommt sie von ihrer Krankenversicherung ein Hörgerät, über das sie kurz darauf die Stimme ihres Lieblings-Radiomoderators Aki hört. Zunächst glaubt Wave, jemand hätte sich in ihre Kontaktlinsen gehackt, doch nach einigem Hin und Her überzeugt sie die Stimme davon, dass sie tatsächlich dem Radiomoderator Aki gehört. Dessen Bewusstsein hat sich offensichtlich in dem Hörgerät eingenistet – wie immer das auch möglich sein mag. Es ist der Auftakt zu einer verworrenen wie kniffligen Story, in der Wave auch auf Geheimnisse rund um ihre Stiefeltern und ihre Herkunft stößt.
Über die Geschichte will ich nur so viel verraten, dass sie mit Rätseln gespickt und voller Action ist. Wave ist körperlich fit und eine gute Kletterin, außerdem clever und abgezockt. Doch sie hat auch eine verletzliche Seite, die sich zum Beispiel darin zeigt, wie verzweifelt sie versucht, Aki zu helfen und das Geheimnis zu lüften, wie seine Stimme in ihr Hörgerät kam. Vielleicht hat er ja auch als Person überlebt.
Insgesamt kommt Wave als Person tough und sympathisch rüber, wobei mir der Grad ihrer Bereitschaft, Aki zu helfen, etwas übertrieben vorkommt. Sicher, seine Radiostimme hat ihr zu Beginn ihrer Zeit in der Zitadellenstadt einen emotionalen Halt gegeben, aber sie lernt ihn erst als Stimme in ihrem Hörgerät kennen und ist nicht nur bereit, ihre berufliche Existenz für ihn aufs Spiel zu setzen, sondern auch ihr Leben. Das halte ich für wenig glaubwürdig. Deshalb haben mich auch die längeren Passagen, in denen sie sich einsam fühlt, weil er „sterben“ könnte, nicht ganz überzeugt. Ihre Freunde Freunde Hammer und Ember sollten ihr viel näher stehen, was aber nicht so rüberkommt.
Trotzdem ist das Buch unbedingt lesenswert, und ich freue mich darauf, Teil 2 und 3 zu lesen, die jeweils aus den Sichten ihrer Freunde Hammer und Ember erzählt werden.
Fazit
„Wave“ ist ein rasanter Cyberpunk-Science Fiction mit vielen Rätseln und jeder Menge Action, in dem die junge Protagonistin Wave sich mit so ziemlich jeder Gruppe anlegt, die in der Zitadellenstadt über Einfluss verfügt.

